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Lesen und schreiben lernen – Wie gelingt das in den DPFA-Regenbogen-Grundschulen?!

Die Diskussion über die richtige Methode des Lesen- und Schreibenlernens beschäftigt die Gemüter in regelmäßigen Abständen. Aktuell wurde sie durch eine Studie der Universität Bonn befeuert. Grund genug, einmal nachzuschauen, wie das in den DPFA-Regenbogen-Grundschulen aussieht!

Zum Konzept, nach dem an den DPFA-Regenbogen-Grundschulen unterrichtet wird, ist die...

Eines sei dabei vorweg genommen, nämlich die Feststellung und Erinnerung, dass die Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können, eine der komplexesten Hirnleistungen ist. Was uns als Erwachsenen schier mühelos gelingt, müssen die Kleinen sich erst erarbeiten. Je nach Methode dürfen bzw. sollen sie dies allein oder unter strukturierter Anleitung tun.

Das Konzept nach dem an den DPFA-Regenbogen-Grundschulen unterrichtet wird, sieht dabei die analytisch-synthetische Leselernmethode vor. „Wir benutzen die Fibel mit Viererfenstern. Außerdem wird die Schreibschrift gelehrt, gelernt und geübt. Und als Ergänzung gibt es die Anlauttabelle“, erklärt Ulrike Schindler, langjährige Leiterin der Chemnitzer DPFA-Regenbogen-Grundschule und erfahrene Deutschlehrerin.

Um es kurz zu machen: Die Kindern lernen unter Anleitung strukturiert und regelgerecht. Das soll jedoch nicht heißen, dass sie ausschließlich in ein festes Korsett aus Regeln gesperrt werden. Denn so wie es Übungen nach einem festen Muster und mit erwartbaren Ergebnissen gibt, dürfen sich die Erstklässler frei von allen Vorgaben auch ausprobieren.

Doch wer sich ausprobieren möchte, muss das Handwerk beherrschen. Also wird geübt! Immer wieder! Silben und Buchstaben werden immer wieder gelesen und geschrieben. Vor allem das Schreiben ist wichtig: Handschrift ist Hirnschrift! Das Schreiben mit der Hand, vor allem bei der in den DPFA-Regenbogen-Grundschulen gelehrten Schulausgangsschrift, ist eine der kompliziertesten Fähigkeiten, die der Mensch erlernen kann. Dafür muss unter anderem die Feinmotorik geschult und trainiert werden. Nur wer sein Schreibgerät richtig hält und bedienen kann, ist auch in der Lage, das Gedachte respektive sein Wissen auf´s Papier zu bringen. Dieses Üben beginnt mit den ersten Malversuchen und hört mit den Schreibübungen der ersten Klasse noch nicht auf.

„Das, was ein Mensch mit der Hand geschrieben hat, bildet im Gehirn Gedächtnisspuren ab, wird also während des Schreibvorgangs auch gelernt. Hier treffen hochkomplexe Gehirnaktivitäten zusammen, die unter anderem auch die Sprach- und Begriffsentwicklung betreffen. Wer Schreiben kann, kann auch lesen – umgekehrt ist dies nicht der Fall. Beim Tippen werden Wörter durchgehend „buchstabiert“, beim verbundenen Schreiben handelt es sich um Silben und ganze Wörter – entspricht also auch gesprochener Sprache“, erklärt etwa die Wissenschaftlerin Stephanie Ingrid Müller.

Außerdem erfordert die beschriebene Herangehensweise von den Kindern Geduld, Durchhaltevermögen und Motivation. An dieser Stelle helfen die Lehrer weiter; mit Lob und Korrektur. Dass dies vor allem für die Kinder wirklich gut funktioniert, wird deutlich, wenn diese sich selbst über das Geschriebene freuen. „Ich übe auch immer“, erklärt etwa eine Grundschülerin strahlend, als sie gefragt wird, wir ihr das Lesen und Schreiben denn gefalle. „Jetzt kann ich das schon viel besser und es macht richtig Spaß. Schau mal!“

Zu sehen bekommt man dann ein nahezu vorbildlich geführtes Schreibübungsheft mit schier endlosen Zeilen voller fein säuberlich geschriebener Buchstaben. Schon bald werden aus den einzelnen Buchstaben Silben und Wörter. So ist es auch beim Lesen! Von einzelnen Lauten und Buchstaben arbeiten sich die Kinder unter Anleitung ihrer Lehrerinnen und Lehrer voran zu immer komplexeren Silben, Wörtern und schließlich ganzen Sätzen. Was zählt, ist das Lob der Lehrer, die Zustimmung der Klassenkameraden und vor allem der Erfolg etwas selbst zu können.

Gelesen wird in den DPFA-Regenbogen-Grundschulen in der schon genannten Viererfenster-Fibel von Cornelsen. Bei dieser sind auf jeder Seite die zu behandelnden Buchstaben in ihrer Groß- und Kleinschreibung sowie als Druckbuchstaben und in Schreibschrift in farbig unterlegten Fenstern zu sehen. Daran können sich die Kinder immer wieder orientieren, beim Lesen und Schreiben lernen und üben. Das gilt übrigens auch für den klar strukturierten Leseanhang und die Anlauttabelle.

Die Anlauttabelle regt die Kinder zum selbstständigen Schreiben an, denn auf dieser Tafel wird jeder Buchstabe durch einen passenden Gegenstand oder ein entsprechendes Lebewesen bzw. dessen Name repräsentiert. So kann der kurze Selbstlaut „A“ etwa durch einen Affen und sein Bruder, der lange Vokal „A“, durch eine Ameise und das „H“ beispielsweise durch ein Haus dargestellt werden. Möchten die Kinder etwas schreiben, von dem sie zwar wissen, wie es klingt, nicht jedoch wie es regelgerecht geschrieben wird, suchen sie sich auf dieser Tafel die entsprechenden „Anlaute“ heraus und schreiben sie zu dem Wort, welches sie benutzen wollen.

Dabei können selbstverständlich interessante Schreibweisen entstehen. Diese werden einfühlsam korrigiert, schließlich muss einerseits der Unterschied zwischen gleichlautenden Buchstaben wie etwa „F“ und „V“ gelernt, andererseits soll die Lust am kreativen Schreiben nicht gehemmt werden.

Darüber hinaus gibt es an den DPFA-Regenbogen-Schulen verschiedene Aktivitäten, welche den Kindern den Spaß an der Sprache und dem Lesen nahebringen sollen. So werden Lesenächte veranstaltet, bei denen sich die Kinder gegenseitig vorlesen. Im Unterricht dürfen die eigenen Lieblingsbücher vorgestellt werden, im Projektunterricht werden Gedichte geschrieben und es gibt Vorlesewettbewerbe. Diese finden erst in der Klasse, dann in der Schule und schließlich außerschulisch statt.

„Unsere Kinder können alle lesen und das auch relativ schnell“, erklärt Schulleiterin Ulrike Schindler und ergänzt: „Wichtig ist dabei immer wieder das Lesenüben und zwar mit einem Buch in der Hand, nicht mit einem Tablet. Wird Kindern etwa aus einem Buch vorgelesen, sind sie deutlich fokussierter. Für sie ist in diesem Moment nämlich der Mensch, der Vorleser, wichtig und nicht die Technik. Das ist für die Lesemotivation unglaublich wichtig. Wird vorgelesen, selbst noch in der Grundschule, ist das eine nicht zu unterschätzende Förderung der Lesemotivation, ohne die das Lesen und Schreiben lernen nun mal nicht funktioniert.“

Deshalb gibt es auch in jeder Grundschule der DPFA-Regenbogen-Schulen eine Kinderbibliothek, in der sich die Kinder bedienen können. „Ziel ist es, das unsere Schülerinnen und Schüler sinnerfassend lesen und darüber sprechen können. Nur so sind sie für die weitere Schullaufbahn gewappnet.“ Dennoch wünscht sich Ulrike Schindler als Lehrerin deutlich mehr Zeit für den Deutschunterricht, vor allem, um den verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Schüler noch besser gerecht werden zu können. „Lesen und Schreiben zu lernen, ist anstrengend. Aber bei uns lernen die Kinder, dass es Spaß und einen stolz macht, sich anzustrengen.“