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„Einfach mal machen“

Kontroverse aber lösungsorientierte Gesprächsrunde zur alltäglichen Praxis der Integrationsarbeit

Integrationsministerin Petra Köpping und DPFA-Firmengründer, Prof. Clauß Dietz, kennen sich bereits...

"Im vergangenen Jahr kamen rund 70.000 Asylbegehrende nach Sachsen. Von denen sind derzeit noch 36.000 da. Gerade diese werden oft einen langen Integrationsweg vor sich haben", sagte Petra Köpping, Ministerin für Gleichstellung und Integration des Freistaates, am 29. August im Rahmen einer vom VSBI organisierten Gesprächsrunde auf dem Gelände der SBH Südost in Leipzig.

Viele Akteure – Bildungsträger, Unternehmen, Behörden, Vereine und die Migranten selbst – engagieren sich auf diesem Weg. Er weist aber auch viele Steine auf, die so manchen verzweifeln lassen. "Die Bereitschaft ist groß, aber die Arbeit wurde von Jahr zu Jahr schwieriger", verwies der Gründer der DPFA Akademiegruppe, Prof. Clauß Dietz, auf die von seinen Mitarbeitern geleistete vielfältige Integrationsarbeit. So werden am Standort in Großenhain bereits seit 2005 Integrationskurse angeboten.

Die bislang größten Probleme in der Praxis kennt auch die Ministerin: Die hohe Fluktuation der Migranten in den Sprachkursen sowie die mangelnde Abstimmung zwischen Jobcentern, Arbeitsagenturen, Kommunalverwaltungen und Unternehmen. Ersteres sei jetzt durch die Wohnsitzauflage abgemildert. Auch die Schnittstelle zwischen den Rechtskreisen SGB II und SGB III sei nun geschlossen. Die Umsetzung liegt aber bei der Kommunalverwaltung vor Ort.

Diese Diskussion ließ Kurt Kirpal, Gründer der KET Kirpal Energietechnik GmbH, nicht mehr auf dem Stuhl sitzen. "Wir stehen uns vor lauter Regelungen selbst im Weg." Er habe gemeinsam mit vietnamesischen Kommilitonen sein Studium gemeistert, ohne dass rechtliche Vorgaben das Zusammenleben regelten.

Heute bekommt er schon Probleme, wenn er Flüchtlingskinder im Fußballverein kicken lassen möchte, weil Versicherungsfragen nicht geklärt seien. Der Aufgabe, vietnamesische Pflegekräfte zu qualifizieren und in das bestehende Kollegium einzubinden, stellt sich dennoch Carsten Tietze, Geschäftsführer der HELIOS Klinik Schwedenstein Pulsnitz GmbH gemeinsam mit der DPFA Akademiegruppe GmbH.

"Das Wissen um die Landeskultur und die Beherrschung der deutschen Sprache sind entscheidend, denn schließlich ist die Dokumentation im Gesundheitswesen haftungsrelevant." Doch solche enormen Herausforderungen dürfen uns nicht abhalten, Fremde als Fachkräfte willkommen zu heißen. "Wir können viele Unternehmen künftig gar nicht mehr weiterführen, wenn wir die Stellen nicht mit Zugereisten besetzen", ist Norbert Rokasky, VSBI - Vorstand und Geschäftsführer der Ausbildungsgesellschaft für Metalltechnik und Schweißer mbH überzeugt.

Vor diesem Hintergrund rief Ministerin Köpping den Anwesenden abschließend zu: "Einfach mal machen und nicht jedes Problem ausdiskutieren bzw. warten, bis es eine endgültige Regelung gibt!"