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Deutsche Sprache, schwere Sprache? – Zu Besuch im Integrationskurs der DPFA Weiterbildung

Seit Juli 2017 bietet die DPFA Weiterbildung in Chemnitz Integrationskurse für Flüchtlinge an. Aktuell findet der bereits dritte Kurs statt und weitere sind in Vorbereitung. Wir haben einmal nachgeschaut, was da so passiert!

Das Team der DPFA-Weiterbildung Chemnitz für Integrationskurse: Katrin Franke (foneta), Swetlana...

Jeden Tag kommt Walaa zum Kurs. Sie ist 26 Jahre alt und floh vor etwa acht Monaten aus Damaskus nach Deutschland. Ihr Deutsch ist schon sehr gut und der Unterricht fällt ihr leicht. Das ist bei einigen ihrer Mitstreiter etwas anders. Vor allem, wenn kleine Übungen laut vorgelesen werden sollen. Da kommt man nicht umhin zu bemerken, wie schwierig für viele allein die Aussprache ist. Das mag einem, der mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen ist, merkwürdig vorkommen.

Aber die Kursteilnehmer müssen nicht nur das deutsche Alphabet, sondern auch die richtige Aussprache lernen und üben. Wer sich selbst bereits an einer Fremdsprache versucht hat, kann dies sicher nachvollziehen.

Dazu kommt, dass in einem solchen Kurs nahezu alle Bildungsstufen vertreten sind. Manch einer der Teilnehmer war noch nie in einer Schule. Eine andere hat in ihrem Heimatland quasi einen Oberschulabschluss erworben und Walaa zum Beispiel verfügt über einen Hochschulabschluss in Telekommunikationstechnik. Deshalb möchte sie so schnell als möglich, ganz viel lernen, um vielleicht hier in Chemnitz noch einmal an der Universität studieren zu können.

Die großen Bildungsunterschiede ergeben sich übrigens durch die Einordnung der möglichen Kursteilnehmer durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die dafür nötigen Tests finden in Chemnitz immer mittwochs um neun Uhr statt. Angeordnet wird der Test und somit auch die Teilnahme an einem Integrations- und Sprachkurs durch das Jobcenter, das Sozialamt oder die Ausländerbehörde. Danach können sich die Menschen aussuchen, bei welchem Anbieter, zum Beispiel die DPFA-Weiterbildung, sie lernen möchten.

Los geht es dann mit einem Basiskurs (300 Unterrichtsstunden à 45 Minuten). Hier werden Sprachgrundkenntnisse in den Bereichen Einkaufen und Wohnen, Gesundheit, Arbeit und vieles mehr vermittelt. Ein zweiter Kurs, der Aufbausprachkurs, umfasst ebenfalls 300 Unterrichtsstunden und widmet sich vor allem modernen Informationstechniken, den Themen Staat und Gesellschaft sowie Beziehungen zu anderen Kulturen.

Wurden beide Kurse absolviert folgt eine erste Prüfung und zwar der Deutschtest für Zuwanderer. Was nun noch fehlt ist der Orientierungskurs. Innerhalb von einhundert Unterrichtsstunden lernen die Teilnehmer Grundlegendes zur Rechtsordnung wie Staatsaufbau, Rechtsstaat, Rechte und Pflichten der Einwohner. Ein anderes Unterrichtsfeld vermittelt Kenntnisse zur Geschichte der Bundesrepublik, der Kultur sowie der hier geltenden Werte wie Gleichberechtigung und Toleranz.

Ziel ist, dass sich die Menschen nach dem erfolgreichen Kursabschluss sprachlich eigenständig bewegen und am Alltag teilnehmen können.

Bei der DPFA-Weiterbildung in Chemnitz ist für die Organisation sowie die Soziale Begleitung Julia Zander zuständig: „Seit wir unsere neuen Räume in der Straße der Nationen bezogen haben, machen die Kurse noch mehr Spaß. Wir haben hier wirklich tolle Bedingungen: Helle Räume, eine gute Verkehrsanbindung. Auch ist die Zusammenarbeit noch besser und die Betreuung intensiver.“ Zu ihren Aufgaben gehört es nicht nur, die Kurse zu organisieren, sondern auch dafür zu sorgen, dass sich Teilnehmer wie Lehrkräfte wohlfühlen. Zu letzteren gehören übrigens Katrin Franke, von der Firma foneta.Sprache.Kommunikation.Kultur in Chemnitz, und Swetlana Kaiser.

Beide sind erfahrene Lehrkräfte für Alphabetisierungs- bzw. Integrationskurse und mit viel Engagement dabei. „Die meisten unserer Kursteilnehmer lernen mit großer Freude und Motivation. Ich freue mich sehr, wenn ich die Lernfortschritte beobachte, vor allem, wenn man weiß, mit welcher Mühe sie erreicht werden“, erklärt Katrin Franke.

Große Fortschritte sind besonders bei Walaa deutlich zu sehen. Denn inzwischen kann sie sich sicher ausdrücken und kann einem Gespräch fast mühelos folgen. Dass man sich dabei ein wenig bemüht, versteht sich fast von selbst.

Während man so miteinander plaudert, muss dann doch gefragt werden, wie es ihr in Deutschland gefällt. Die Antwort kommt etwas zögernd und mit einem kleinen Lächeln: „Bisher war es hier sehr kalt und dunkel. So ist es im Winter bei uns zu Hause nicht.“
Und so wundert es wenig, dass sie ihre alte Heimat etwas vermisst. Vor allem die Familie, denn Vater, Mutter und Brüder leben in Damaskus. Doch sie ist sich sicher, hier ihren Lebensweg zu gestalten. Dafür viel Glück!