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Das „Wir“ gewinnt

Zum 1. DPFA-Tag der Weiterbildung und des Teilens trafen sich mehr als 280 Pädagogen aller Standorte, um bei Impulsvorträgen, in Workshops und im fachlichen Austausch gemeinsam ihre Arbeit zu reflektieren.

Der erste DPFA-Tag der Weiterbildung und des Teilens fand in Zwenkau statt. Foto: DPFA

Zweifelsohne war er der Star des Tages: Nur wenige Minuten, nachdem er auf die Bühne in der Turnhalle der Stadt Zwenkau gegangen war, hatte er schon die ersten Lacher auf seiner Seite – Steffen Kirchner, einst als Spieler, Manager und Coach im Profisport tätig, heute einer der anerkanntesten Motivationstrainer und Vortragsredner im deutschsprachigen Raum.

Auf Einladung der Geschäftsführung bereicherte er den 1. DPFA-Tag der Weiterbildung und des Teilens am 1. November 2019 mit einem höchst unterhaltsamen, aber auch nachdenklich stimmenden und inspirierenden Vortrag mit dem Titel „Das ‚Wir‘ gewinnt“.

„Das ‚Wir‘ gewinnt“

Ein Titel, der wie kaum ein anderer die Intention des Tages und den Bildungsauftrag der DPFA-Akademiegruppe zum Ausdruck bringen vermochte. „Bitte nehmen Sie dieses Motto ernst“, legte DPFA-Hauptgeschäftsführerin Catrin Liebold den aus den sieben allgemein- und vier berufsbildenden Standorten des Unternehmens angereisten Pädagoginnen und Pädagogen in ihrem Grußwort nahe. „Nutzen Sie diesen Tag, nicht nur für neues Wissen, sondern auch für den standortübergreifenden, fachlichen Austausch. Denn mein Anspruch ist es, dass die DPFA ein Arbeitgeber ist, bei dem das Miteinander und das Füreinander im Mittelpunkt stehen. Ich lade Sie herzlich ein – seien Sie Teil dieser Gemeinschaft. Denn nur gemeinsam kann die DPFA als einer der führenden privaten Bildungsträger in Sachsen stark bleiben und weiterwachsen.“

Werte und Verantwortung

Doch wie gelingt Gemeinschaft, wenn unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Begabungen, Fähigkeiten und Charakteren auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten; welchen Beitrag kann jeder Einzelne dafür leisten? Steffen Kirchner zollte den anwesenden pädagogischen Fachkräften höchste Anerkennung. „Der Wert einer Gesellschaft macht sich daran fest, wie sie diejenigen wertschätzt, die sich um die ältesten und die jüngsten ihrer Mitglieder kümmert.“ Werte auch in schwierigen und sich immer rasanter entwickelnden Zeiten zu vermitteln, stelle eine große Belastung im Bildungsbereich dar.

„Einen Traumberuf auszuüben, heißt nicht immer, eine traumhafte Zeit zu haben. Durch Gemeinschaft können Sie auch unter schwierigen Umständen der Belastung standhalten.“ Doch wie kann man als Team erfolgreich sein, sich weiterentwickeln und zusammenwachsen? Wie entsteht das ‚Wir‘ und wie bleibt es? Steffen Kirchner zielte in seinem Vortrag vor allem auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen ab.

„In diesem Wort steckt die Lösung schon drin. Es geht darum, welche Antwort ich auf die Dinge gebe, die passieren. Und die Qualität dieser Antwort entscheidet über Erfolg.“ Faulheit und Feigheit schadeten der Gemeinschaft, so Kirchner und er gab den Zuhörern zwei Glaubenssätze aus dem Profisport mit auf den Weg: „Kontrolliere das, was du kontrollieren kannst.“

Wichtig ist, was machbar ist

Und: „Wo die Aufmerksamkeit hingeht, geht die Energie hin.“ Um erfolgreich zu sein, dürfe man nicht ständig nur Interessen, Zielen und Träumen hinterherjagen, sondern vielmehr aktiv kleine Schritte tun, die dazu beitragen, Dinge sukzessiv zu verbessern und voranzutreiben. Der Fokus auf negative Gedanken und Ängste verstärke diese. Es sei hilfreicher, das Augenmerk darauf richten, was machbar ist.

„Wir sollten öfter kommunizieren, was wir wollen, und nicht immer nur das, was wir nicht wollen“, so Kirchner. „Suchen Sie Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen, um das Wir-Gefühl zu stärken.“ Ob man andere für seine Idee oder seinen Bildungsauftrag nachhaltig begeistern könne, sei ganz wesentlich davon abhängig, wie emotional man etwas tue.“

Gerade Pädagoginnen und Pädagogen hätten die Chance, Schülerinnen und Schüler für den Unterricht zu interessieren, indem sie die sechs emotionalen Grundbedürfnisse eines jeden Menschen berücksichtigten: Sicherheit, Abwechslung, Wachstum/Erfolg, Bedeutsamkeit, Verbundenheit/Liebe sowie Mitwirkung. „Schauen Sie, welche Knöpfe sie vielleicht bei dem einen oder anderen Schüler drücken können.“ Dabei mahnte Kirchner jedoch zu Geduld. Bis man als Pädagoge auf fest verankerte Glaubenssätze aus der Kindheit und das Selbstwertgefühl des Schülers Einfluss nehmen könne, brauche es Zeit.

Meilensteine des medienpädagogischen Konzeptes

Auf Steffen Kirchner folgte ein Ausblick auf die aktuellen „Meilensteine“ des medienpädagogischen Konzepts der DPFA, vorgestellt von Dr. Sandra Fleischer, Leiterin der Akademie für frühkindliche Bildung und Schulentwicklung, unter deren Federführung der Tag der Weiterbildung und des Teilens vorbereitet und konzipiert worden war.

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Daniel Hajok von der Universität Erfurt zu dem von den pädagogischen Fachkräften im Vorfeld gewünschten und spannenden wie herausfordernden Thema „Medienhandeln und Medienwelten von Kindern und Jugendlichen und Anschlussstellen für pädagogisches Handeln“.

Den Schutzraum der Kindheit gibt es so nicht mehr

Hajok warnte vor der „massiven Beschleunigung aller gesamtgesellschaftlichen Prozesse“ und machte anhand verschiedener Studien deutlich, dass die Medien inzwischen einer der wichtigsten Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen seien, noch dazu rund um die Uhr verfügbar. Den so genannten Schutzraum der Kindheit gebe es laut Hajok so nicht mehr. Medienpädagogische Ansätze, die früher auf das Verhalten von Jugendlichen abzielten, müssten jetzt bereits im frühkindlichen Bereich angewendet werden. „'Sein' heißt heute, medial stattzufinden“, so Hajok.

Lehrerinnen und Lehrer hätten die Aufgabe, einen medienpädagogischen Rahmen zu schaffen und die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zur Selbstregulation ihres Umgangs mit Medien zu befähigen. Trotz des breiten Gefahrenspektrums der Mediennutzung plädierte Hajok dafür, das partizipative Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen zu fördern und so die frühkindliche Teilhabe an gesamtgesellschaftlichen Prozessen zu begleiten.

„Wir brauchen ein Lernen mit Medien anstelle eines Lernens über Medien.“

Hajok sprach sich für aktive Medienprojektarbeit im Unterricht aus, bei der sich Schüler Kompetenzen aneignen könnten. Nach der Mittagspause mit einem vielfältigen und schmackhaften Buffet, bei dem bereits die ersten Gespräche untereinander zustande kamen, ging es in den Räumen des angrenzenden DPFA-Regenbogen-Gymnasiums in Zwenkau in der zweiten Hälfte des Weiterbildungstages in den fachlichen Austausch in kleineren Gruppen im Rahmen von Workshops und Dialogräumen.

Hier wurde der Anspruch umgesetzt, Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihr fachliches Know-how mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu teilen. So referierten DPFA-Fachkräfte u. a. zu Themen wie „Ganztag in Sachsen“, „Lernplattformen im Unterricht“, „Gewaltfreie und wertschätzende Kommunikation“ und „Elternarbeit“. Die sechs Dialogräume luden zu themenoffenen wie themengebundenen Gesprächen und einem standortübergreifenden Erfahrungs- und Wissensaustausch unter den Pädagoginnen und Pädagogen ein.

Mit einem gemeinsamen Abschluss in der Turnhalle endete der 1. DPFA-Tag der Weiterbildung und des Teilens, der den pädagogischen Fachkräften viele Impulse für ihre Arbeit mit auf den Weg gab. „Bildung ist unsere Leidenschaft und unser Bildungsauftrag wächst – auch in der politischen Bildung, im Demokratieverständnis und im Bemühen um ein tolerantes Miteinander“, so Catrin Liebold. Denn nur das „Wir“ gewinnt.